In der Praxis wird das Risiko-Management oft als leidige (aufsichtsrechtliche) Pflicht angesehen, die erfüllt sein muss, aber keinen Mehrwert für das Unternehmen bringt.
Daher werden häufig Insellösungen implementiert. Das heißt, es wird ein Unternehmensbereich festgelegt bzw. eine Stelle geschaffen, die das Thema losgelöst von den sonstigen Geschäftsprozessen im Unternehmen betreibt. Eine Integration des Risikogedankens („Awareness“) wird damit in aller Regel nicht erreicht. Erst eine Integration in die Geschäftsprozesse führt zu einem Mehrwert im Unternehmen.
Die Quantifizierung von Risiken im Unternehmen stellt primär zunächst keinen Mehrwert für ein Unternehmen dar. Sie dient den aufsichtsrechtlichen Organen vielmehr dazu, einen Vergleich zwischen der Kapitalausstattung und der Risikosituation herstellen zu können.
Der Mehrwert des Risiko-Managements entsteht erst durch die Integration in das Unternehmen. Anders gesagt: durch den bewussten und aktiven Umgang mit Risiken. Mit Hilfe des Risiko-Managements können frühzeitig gefährdende Entwicklungen erkannt und ggf. entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Dies setzt aber eine offene Risikokommunikation im Unternehmen voraus.
Weiterhin kann mit Hilfe des Risikokapitals untersucht werden, ob sich ein Produkt aus risikotheoretischer Sicht überhaupt ökonomisch lohnt. Bringt ein Produkt beispielsweise im Jahr EUR 1 Mio. ein, bindet aber gleichzeitig Eigenkapital in Höhe von EUR 100 Mio., sollte ein Unternehmen die Investition überdenken.
Um also den vollen Nutzen aus dem Management von Risiken zu ziehen, muss dieses in die Geschäftsprozesse integriert und zur Steuerung verwendet werden.